Russland

Matroschkas, Bild: Jimbox/Stockxchange

 von Gregor Berghorn

Russlands Herausforderungen im 21. Jahrhundert sind der Größe des Landes ebenbürtig: Durchgreifende Innovationen und Modernisierungen sind dringend geboten im Bildungs- und Gesundheitswesen. Bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert besteht eine intensive deutsch-russische wissenschaftliche Kooperation, die auch den Anlass zur Planung eines Deutschen Hauses für Wissenschaft und Innovation gegeben hat.

Wenn Deutsche das Wort " Russland" hören, stellen sich bei ihnen gerne Assoziationen wie Wodka, Kälte und Schnee, dann vielleicht Taiga und endlose Landschaften, Tolstoj und Dostojewskij oder auch Bilder von Oligarchen und darbenden Mütterchen in gottverlassenen Dörfern ein. Viele Berichte, Reportagen und Dokumentationen zu Russland bedienen diese Vorstellungen, die zwar nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, aber bei näherem Überlegen nicht als Erklärung dienen können, warum Russland immer noch eine respektable Großmacht und ein veritables Industrieland ist. Wer spricht schon von den Spitzenleistungen der russischen Mathematik, den Leistungen in den Naturwissenschaften, in der Raumfahrt oder in der Geologie, von den enormen Ingenieurleistungen beim Aufbau Sibiriens?

Gleichwohl: Nach wie vor steht Russland vor den immensen Aufgaben, eine nach strategischen Gesichtspunkten aufgebaute, Jahrzehnte lang nach außen abgeschottete Sowjetunion in ein wirtschaftlich und sozial verträgliches Russland unter den Bedingungen der Globalisierung umzubauen, und dieses unter Wahrung der politischen und sozialen Stabilität, des inneren Friedens und des Ausgleichs mit einer beachtlichen Zahl kulturell, sprachlich und weltanschaulich heterogener Ethnien.

Russlands Herausforderungen im 21. Jahrhundert sind der Größe des Landes ebenbürtig: Durchgreifende Innovationen und Modernisierungen sind dringend geboten im Bildungs- und Gesundheitswesen, in den Bereichen des Ressourcenmanagements, im Energiebereich und im Wohnungsbau, im Verkehrs- und Logistikwesen. Die Reform der Streitkräfte, die Bekämpfung der Korruption und die Konsequenzen, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, müssen in Angriff genommen werden.

Grafik: Russische Studierende in Deutschland, Quelle: Statistisches BundesamtDen Verantwortlichen wird zunehmend klarer, dass sie eigentlich nur noch zwei Trümpfe haben, um erfolgreich zu neuen Ufern aufzubrechen: Die Rohstoffe Öl und Gas zur raschen Kapitalgewinnung und ein – noch – funktionsfähiges und reformierbares Bildungs- und Wissenschaftssystem zur Heranbildung einer völlig neuen Generation von Fach- und Führungskräften. Aber die Zeit drängt: Der große Aderlass Russlands durch die Abwanderung seiner Spitzenkräfte hat das Funktionieren der Wissenschaft gebremst, aber nicht zum Erliegen gebracht; dem Verlust der Nachfolgegeneration und deren Fehlen an Hochschulen und in der Forschung kommt dagegen eine existentielle Bedeutung zu. Daher wird die Produktion von Spitzentechnologien, der internationale Wissenschafts- und Bildungsaustausch eine wichtigere Rolle einnehmen, als es bisher der Fall war. Der gesellschaftliche Wandel, die Ansprüche, die in einer Zivilgesellschaft entstehen, verdeutlichen einen Bedarf an Fachkräften im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich, um den neuen Herausforderungen zu begegnen.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert und insbesondere nach 1989/90 mit der neuen Bundesrepublik besteht eine intensive deutsch-russische wissenschaftliche Kooperation. Dieses hat den Anlass gegeben, mit der Planung eines Deutschen Hauses für Wissenschaft und Innovation einen neuen Rahmen für den deutsch-russischen Wissenschaftsdialog zu schaffen. Auch "Wissenschaftskooperation" sollte künftig eine Assoziation sein, wenn man das Wort "Russland" hört.

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